Leuchtalgen leuchten nicht dauerhaft! Das Leuchten entsteht nur, wenn die Zellen tagsüber genügend Energie aufbauen und sich nachts im richtigen Rhythmus befinden. Man kann sie nicht "aufladen", aber für optimale Bedingen sorgen, unter denen sie ihr Leuchtpotenzial entfalten.
1. Licht am Tag - der wichtigste Faktor
Stelle die Flasche tagsüber hell - aber wegen Überhitzungsgefahr nicht ins direkte Sonnenlicht. Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, sie rund 1,5m von einem Süd-Fenster entfernt aufzustellen.
Sie lieben eine Lichtdauer von 8-12 Stunden Tageslicht. Um so gleichbleibender ihre Lichtzeit ist, desto besser können sie einen Tag-Nacht-Rhythmus herstellen.
Man kann künstliches Licht einsetzen. Bitte lies dazu unbedingt den Punkt: "LED, Pflanzlampe oder Aquarienlame - Künstliches Licht, ja oder nein?"
Nicht ausreichend sind wechselnde Lichtzeiten, nur abendliche Zimmerbeleuchtung oder zu dunkle Räume.
2. Klare Dunkel-Phasen sind unbedingt notwendig
Leuchtalgen brauchen eine echte Nacht. Also 12 - 14 Stunden vollständige Dunkelheit.
Kein Lampenlicht, keinen Fernseher, kein indirektes Raumlicht. Schon schwaches Dauerlicht (Straßenlaterne von draußen) oder eine Mini-Standby-LED-Lampe in der Nähe, kann das Leuchten komplett unterdrücken.
Extra Tipp: Manche stellen ihre Dinoflagellaten auch abends in eine dunkle Box, damit sie nicht künstlich beleuchtet werden können (z.B. durch den Fernseher, Deckenleuchten, etc.). Das sollte dann aber dann immer zur gleichen Zeit geschehen... und man muss morgens daran denken sie zu befreien, sonst hat man den "Versand-Effekt".
3. Fester Rhythmus
Du ahnst es nach der obigen Beschreibung bestimmt schon, ein fester Rhythmus ist alles. Also jeden Tag ähnliche Zeiten, nicht den Standort zu wechseln und auch, sie tagsüber nicht zu bewegen/ erschüttern. Nach dem Versand kann es bis zu 4 Wochen dauern, bis sich der neue Rhythmus einpendelt.
Rund 1-2 Stunden nachdem "die Sonne bei dir Zuhause" untergegangen ist, kannst du die Flasche sanft schütteln und das Meeresleuchten bewundern.
4. Temperatur
Außerdem leuchten die Algen besonders gerne bei Zimmertemperaturen zwischen 20-25 °C, da sie in warmen Gewässern beheimatet sind.
Alles darüber hinaus bedeutet Stress für sie und das Leuchten wird unterdrückt, da sie ihre Energie zum Überleben einsetzen müssen.
Deshalb bitte NICHT:
- nach dem Versand oder generell auf den Heizkörper stellen oder auf eine Fensterbank unter der sich ein Heizkörper befindet!
- in die pralle Sonne stellen
- nahe technischer Wärmequellen aufstellen...
5. Sauerstoff und Ruhe
Die Flasche (wenn du sie z.B. auffüllst), sollte nie randvoll sein und auch nie halb leer. Ein leichter Kopfraum von 1-2 cm ist ideal. Bitte nicht in die Flasche pusten, um sie "zu belüften" und auch keine Aquarien-Belüftung nutzen. Du kannst sie zum Belüften, falls du das Gefühl hast, dass ihnen Sauerstoff fehlt, einmal in ein größeres Gefäß umgießen und danach wieder zurück. Gönne ihnen danach aber bitte eine kleine Auszeit. Leuchtalgen mögen Ruhe.
6. Bewegung
Die Dinoflagellaten können ihr Leuchten unterdrücken, wenn sie zu stark und häufig bewegt werden. Hört sich komisch an, weil man ja davon ausgeht, dass se im Meer und der Brandung permanent durchgeschüttelt werden. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass sich die Bewegung im Meer von der in einer Flasche unterscheidet.
In der Brandung wird jede Zelle nur kurz und selten "mechanisch" gereizt. Danach ist wieder Ruhe. Sie bekommen unendlich viel Sauerstoff und leben nicht einer geschlossenen Umgebung. Und es sind Milliarden Zellen, verteilt auf rieeeesige Wassermengen. Das Leuchten entsteht punktuell und kurzzeitig, nicht dauerhaft.
In einer Flasche werden alle Zellen gleichzeitig bewegt. Sie können nicht ausweichen, haben keinen "Verdünnungseffekt" und auch nur begrenzten Sauerstoff. Deshalb wird dieser Stress und das "Stressleuchten" so viel stärker auf sie. Häufiges Schütteln bedeutet für sie einen enorm hohen Energieverbrauch und zum Überlebens-Schutz können sie diesen Effekt abschalten.
Wichtig zu verstehen: Das Leuchten ist keine fröhliche Aktivität, sondern eine Stressreaktion.
Also wenn du sie mehrmals hintereinander kräftig schüttelst oder auch tagsüber bewegst, ist das nicht gut für sie und sie können das Leuchten komplett unterdrücken.
7. Füttern
Bitte nur sehr sparsam füttern, 1-2 Tropfen auf die gesamte Flasche alle 10-14 Tage. Niemals "auf Verdacht" nachfüttern.
8. Warum sich die Leuchtstärke stark unterscheiden kann
Das sichtbare Meeresleuchten entsteht nicht durch einzelne Zellen, sondern durch das gemeinsame Reagieren vieler Leuchtalgen gleichzeitig.
Wie intensiv das Leuchten wirkt, hängt deshalb davon ab, wie viele Zellen im Moment gleichzeitig reagieren – nicht davon, ob „genug“ Algen vorhanden sind.
Es ist normal, dass gesunde Kulturen zeitweise unterhalb der sichtbaren Leuchtschwelle liegen und dann kaum oder gar nicht leuchten, obwohl die Algen weiterhin leben.
In solchen Phasen teilen sich die Zellen langsam weiter und können zu einem späteren Zeitpunkt wieder sichtbar leuchten. (Siehe "Was bedeutet Ruhe-Phase bei Leuchtalgen?"